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INPOL
 
1. Funktion von INPOL
INPOL ist das Informations-und Auskunftssystem der Polizei in Deutschland. Es stellt für polizeiliche Ermittlungen die wichtigste Grundlage dar. Denn eine wirksame vorbeugende Bekämpfung und Verfolgung von Straftaten ist nur bei Vorliegen einer ausführlichen, aktuellen Informationslage realisierbar.
 
INPOL ist als kooperativer elektronischer Datenverbund aufgebaut, auf den alle Län-derpolizeien der Bundesrepublik Deutschland, das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, die Zollbehörden und das Zollkriminalamt Zugriff haben. (Vgl. Lange, Hans-Jürgen.; Gasch, Matthias 2006: Wörterbuch zur inneren Sicherheit, 1. Aufl. Wiesbaden, S.134) Da mehrere unterschiedliche Stellen ihre Informationen an ihren Rechnern austauschen, handelt es sich technisch um einen „Rechner-Rechner Verbund“, auch „INPOL-Verbund“ genannt. INPOL wird als Auskunftssystem von ca. 270000 Polizeibeamten in Deutschland genutzt. Die meisten Anwender verwenden INPOL als Fahndungsauskunftssystem. Die Kriminalpolizei nutzt vor allem die INPOL-Verbunddateien, um Deliktsstrukturen zu analysieren. Für die Ermittlung in länderübergreifender oder politisch motivierter Kriminalität ist die deliktsübergreifende Analyse der Daten möglich.
 
2. Historische Entwicklung von INPOL
Das Auskunftssystem INPOL wurde auf der Innenministerkonferenz am 27.01.1972 mit der Intention beschlossen, länderübergreifend fahnden und ermitteln zu können. Das Recherchetool eröffnet dabei je nach Informationslage verschiedene Abfragemöglichkeiten. Dem Bundeskriminalamt wurde für die Verwaltung der INPOL-Daten die Funktion der Zentralstelle übertragen. Zunächst diente INPOL lediglich der automatisierten Personen-und Sachfahndung. Ab 1975 bis 1981 wurde die Datenbank stetig durch neue Systeme erweitert. Dennoch stieß das System wegen der erheblichen Datenmengen schon bald an seine Grenzen. Für technische Modernisierungen und Erweiterungen wurde die Entwicklung eines Nachfolgersystems „INPOL-neu“ beschlossen, dessen Inbetriebnahme zwischen Mitte 2000 und 2002 geplant war (Vgl. Lange, Hans-Jürgen; Gasch, Matthias, 2006: Wörterbuch zur inneren Sicherheit, 1. Auflage, Wiesbaden, S.134). „INPOL-neu“ sollte dabei das umfangreiche Datenvolumen für eine verbesserte Auswertbarkeit verwalten, die Einfacherfassung der Daten gewährleisten und insgesamt die Handhabung für die Bediener optimieren. Grundvoraussetzung für die verbesserte Koordination der Daten auch mit ausländischen Polizeidienststellen stellt die technische Einheitlichkeit des Gesamtsystems dar. Strategisch sollte dabei ein pyramidenförmiger Aufbau der Informationsverarbeitung stehen. Grundlage für das zentrale „INPOL-neu“ bilden dabei die unterschiedlichen Vorgangs-und Bearbeitungssysteme in Bund und Ländern. Darauf bauen die Landesdatenerhaltungssysteme auf, die dem zentralen INPOL-Datenbestand (als Spitze der Pyramide) die Informationen übermitteln. Die Komplexität der Anwendungsziele führte zum Fehlschlag der Erstanwendung. Die Aktivierung erfolgte letztlich phasenweise und in abgeschwächter Form bis zum 16.08.2003. (Vgl. Lange, Hans-Jürgen.; Gasch, Matthias, 2006: Wörterbuch zur inneren Sicherheit, Wiesbaden, S.134).
 
3. Aufbau von INPOL
INPOL gliedert sich in verschiedene Bausteine. Die Wichtigsten sind INPOL-Zentral, INPOL-Web, INPOL-Analyse und INPOL-Fall. Für die Erfüllung vollzugspolizeilicher Aufgaben ist INPOL-Zentral die entscheidende Funktion.
 
INPOL-Zentral
INPOL-Zentral ist die Zentrale Datenverarbeitungsanlage beim Bundeskriminalamt, die in Personen-und Sachdaten differenziert wird.
 
Sachdaten werden bisher lediglich in Form von Fahndungsausschreibungen nach Gegenständen geführt.
 
Im Rahmen der Personendaten werden Anwendungen wie Personenfahndung, Kriminalaktennachweis, Haft und Erkennungsdienst geführt. Im Teilbereich Personenfahndung werden Fahndungsersuchen zur Festnahme (Haftbefehl), Ingewahrsamnahme, Aufenthaltsermittlung und Polizeilichen Beobachtung ausgeschrieben. In einem Kriminalaktennachweis werden systematisch alle verfügbaren relevanten Informationen zu einem Straftäter zusammengetragen. In der Kategorie Haft werden alle Daten zu einer möglichen aktuellen oder vergangenen Inhaftierung geführt. Im Be reich Erkennungsdienst werden sämtliche erkennungsdienstliche Materialien, wie Lichtbilder oder Personenbeschreibungen gesammelt.
 
Damit die Personen-und Sachfahndungsdaten den Beamten unmittelbar nach der Dateneingabe zur Verfügung stehen, erfolgt die Speicherung als „vollparallele Da-tenbestandsführung“ über die Schaltzentrale INPOL-Zentral.
INPOL-Web
INPOL-Web umfasst ergänzende operative Anwendungen, die die Ermittlungen lediglich unterstützen. (Vgl. Gadorosi, Holger, 2004: Zum Status quo des Rückgrats der Verbrechensbekämpfung, Wiesbaden, S. 147)
 
INPOL-A
In der Rubrik INPOL-A können Veränderungen der Kriminalitätslage anhand von Statistiken (u.a. der Polizeilichen Kriminalstatistik) untersucht werden. (Vgl. Gadorosi, Holger, 2004: Zum Status quo des Rückgrats der Verbrechensbekämpfung, S. 147)
 
INPOL-Fall
INPOL-Fall dient kriminalpolizeilichen Ermittlungen bei der Herausstellung von Relationen und Verknüpfungen zwischen Personen oder Sachen verschiedener Delikte. (Vgl. Gadorosi, Holger, 2004: Zum status quo des Rückgrats der Verbrechensbekämpfung, S. 147)
Einige Kritiker beanstanden INPOL unter datenschutzrechtlichen Interessen. Es bestehen Bedenken hinsichtlich des Umfangs der Speicherung und Nutzung personenbezogener Daten. Eine stetige Aktualisierung des Systems und die Berücksichtigung der aktuellen Gesetzeslage sind daher zwingend erforderlich.
 
Schlüsselwörter: Bundeskriminalamt, Fahndung, Kriminalaktennachweis, Haftbefehl, Erkennungsdienst, polizeiliche Kriminalstatistik,
 
Literatur:
 
-Gadorosi, Holger, Produktstrategie INPOL-neu, der kriminalist 35 (2003), 209–212.
-Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, Wegweiser zu INPOL-Z / POLAS NRW, und weiteren Informationssystemen der Polizei NRW (2010).
-Voß, Jakob/Roschke, Jörg/Tretkowski, Ingo, Das polizeiliche Informationssystem INPOL 2002, http://ig.cs.tu-berlin.de/oldstatic/s2002/0435l547/inpol.pdf (zuletzt besucht am 31.03.2011).
 

Laura Kappel
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