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Religion
 
Der etymologische Ursprung des Begriffs Religion liegt im lateinischen „religio“, was seinerseits zurückgeführt wird auf „religere“, „religare“: immer wieder lesen, Dinge zusammenbinden. Der Begriff beschreibt die Anerkennung eines einheitlichen Systems von Glaubens- und Verhaltensmustern, Moralvorstellungen und ethischen Geboten, welche die Menschen zumeist in einer Glaubensgemeinschaft vereinen. Die institutionelle Einrichtung der Glaubensgemeinschaft wird hierbei als Kirche bezeichnet. Grundlage einer Religion ist der Glaube an eine höhere, transzendente Macht, welche in alle Lebensbereiche der Menschen eingreift. Religiosität bezeichnet demnach eine innere Überzeugung, dass sich das Leben nicht gänzlich mit materialistischen, objektiv wahrnehmbaren Ansätzen erklären lässt.
 
Für den Begriff Religion gibt es keine allgemeingültige und einheitliche Definition. Vor dem Hintergrund einer vielschichtigen und in die verschiedensten kulturellen Bereiche eingreifenden Bedeutung ist eine einheitliche Deutung des Begriffs auch nicht möglich. Am Beispiel des Christentums wird die Vielschichtigkeit der Einwirkung in unseren Kulturbereich deutlich. Das Christentum enthält symbolische-, erzählerische-, historische-, weltanschauliche-, ethische-, politische-, ökonomische-, institutionell-, pädagogisch-wissenschaftliche-, soziale-, rituelle-, emotionale-, ästhetische und symbolische Dimensionen, die auf verschiedenen Ebenen in unser kulturelles System eingebunden sind. (vgl. Kaldewey R./Niehl F.W.2009:Grundwissen Religion, München) Hierdurch wird erkennbar, dass Religionen einen großen Teil unserer Kultur, ob bewusst oder unbewusst, mitgestalten und sich mit der Kultur weiterentwickeln. Beispielsweise ist in unserer heutigen Zeit insbesondere die Dimension der Ethik ein immer stärker aufkommender Teil einer religiösen Weltanschauung und der Philosophie, der im Bezug auf menschliche Interaktionen und die Wirtschaft wieder einen größeren Stellenwert gewinnt. Auslöser hierfür ist die Erkenntnis, dass eine rein materialistisch ausgerichtete Gesellschaftsform auf lange Sicht nicht bestehen kann. So wurde beispielsweise auch im Lissabon-Vertrag der EU die Hinwendung zu einer christlich-ökumenischen Werteordnung als Ziel der Staatengemeinschaft festgelegt.
 
Die Geschichte der Religion ist ein Entwicklungsprozess, der bis in die vorgeschichtliche Zeit zurückgeht. So datieren erste, wissenschaftlich anerkannte, religiöse Zeichen bereits auf die Zeit um 120.000 Jahre v.Chr. Im weiteren Verlauf der Entwicklung bildeten sich in nahezu alle Kulturen die Vorläufer der heutigen Religionen aus. So gab es die verschiedensten Religionen in Afrika, im Orient, Asien und in Europa. Einige dieser alten Religionen werden, wenn auch in einer anderen Form, bis heute praktiziert, andere haben ihre Wurzeln in dieser Zeit, wiederum andere gibt es heute nicht mehr.
 
Im Hinblick auf Religionen lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Richtungen unterscheiden. In naturbezogenen Kulturen begreift sich der Mensch als Teil der Natur und dadurch als Teil eines großen Kosmos, wodurch die Frage nach der Ordnung der Natur und der Welt im Vordergrund steht. Hier bildeten sich vornehmlich monistische, also auf lediglich ein Gesamtprinzip des Kosmos bezogene Religionen (z.B. Naturreligionen) aus. Die zweite Richtung zu der auch der Islam, das Judentum und das Christentum gehören, entstand in eher an geschichtlichen Abläufen orientierten Kulturen. Hier bildeten sich monotheistische Religionen aus, die jeweils eine universelle und allumfassende, personifizierte Gottesvorstellung entwickelten.
 
In der heutigen Welt haben sich fünf sogen. Weltreligionen etabliert. Diese Bezeichnung beschreibt Religionen, die weltweit verbreitet sind oder einen größeren Teil der Bevölkerung umfassen. Daneben gibt es eine Vielzahl von religiösen Gemeinschaften, Kirchen und Sekten. Die Organisation und Entwicklung der verschiedenen Religionen ist jedoch sehr unterschiedlich. Während Religionen wie z.B. das Christentum, deutliche hierarchische Strukturen (Papst, Kardinäle, Bischöfe, Priester) ausweisen, die auf einer zentralen Steuerung und Überwachung (Vatikan) basieren, weist z.B. der Hinduismus stärkere regionale Bezüge auf (hl. Orte, Tempel, Gurus).
 
Im Folgenden soll der Größe der verschiedenen Weltreligionen anhand der folgenden Tabelle verdeutlicht werden.
 
Tabelle Religion
 
Gewalt hat in den heutigen fünf Weltreligionen von ihrer geschichtlichen Entwicklung her immer eine bedeutende Rolle gespielt. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass alle Weltreligionen ihre religiösen Wert- und Moralvorstellungen als einzig wahr erachten und zueinander in Konkurrenz treten. Aus diesem Grund wurde in allen Religionen Gewalt angewendet um die eigene religiöse Sicht zu verbreiten. Betrachtet man jedoch die grundlegende religiösen Zielrichtungen der einzelnen Religionen, stellt sich heraus, dass alle Weltreligionen von ihrer Entstehungsgeschichte her eine gemeinsame Zielrichtung haben, nämlich die Überwindung der Gewalt, die Abwehr von Unheil sowie die Förderung des Heils der Gläubigen im Sinne ihres jeweiligen Gottes.: Religionen spielen in verschieden Kriminalitätstheorien eine nicht unerhebliche Rolle. So sieht der Soziologe T. Hirschi in seiner Bindungstheorie die Religion als einen der Bindungsfaktoren, die für normenkonformes Verhalten verantwortlich sind. Diese Theorie wurde zudem in verschiedenen Studien nachgewiesen. So sinkt die Wahrscheinlichkeit delinquenten Handelns, je höher die Bindung an religiöse Werte ist, wobei Unterschiede in verschiedenen Deliktsbereichen zu verzeichnen sind.
 
Ein weiteres Beispiel für die Relevanz von Religionen stellt die Kulturkonflikttheorie von T. Sellin dar. Nach dieser Theorie können auch religiöse Moral- und Wertevorstellungen zu deviantem Verhalten führen, wenn sie in einem anderen kulturellen Bereich ausgelebt werden.
 
Eine kriminologische Relevanz im Bezug auf Religionen besteht aber auch dann, wenn Religionen fundamentalisiert werden und extremistische Züge erhalten. So werden z.B. die Terroranschläge islamistischer Terroristen von diesen als „heiliger Krieg“ bezeichnet, der im Namen Allahs gegen „Ungläubige“ geführt wird. Diese radikalislamistischen Strömungen bereiten auch die Grundlage der langjährigen Auseinandersetzungen im nahen Osten.
 
Von kriminologischem Interesse ist aber auch eine Vielzahl von religiösen Sekten und Kirchen, wie z.B. die Organisation Scientology, die in anderen Ländern als Kirche oder Religion anerkannt ist. Diese Organisation wird wegen ihrer Ausrichtung und ihrer Ziele in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet.
 
Kirche
Ethik
Glaube
Weltreligionen
Christentum
Extremismus
 
Literatur:
 
- Baudler, G. (2005). Gewalt in den Weltreligionen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
- Bowker, J. (. (2010). Das kleine Oxfort-Lexikon der Weltreligionen. Köln: Anaconda Verlag.
- Kaldewey, R., & Niehl, F. W. (2009). Grundwissen Religion. München: Kösel-Verlag.
 

Helmut Schirra
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