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Subkultur
 
Subkulturen entwickeln strukturelle und funktionale Eigenheiten, die ihre Mitglieder von der übrigen Gesellschaft unterscheiden und für ein Zusammengehörigkeitsgefühl sorgen. Subkulturen gibt es in allen gesellschaft-lichen Bereichen (von Künstlern und Architekten bis hin zu Nichtseßhaften und Strafvollzugsinsassen), besondere kriminologische Bedeutung kommt der Subkultur Jugendlicher (z.B. als *Kriminalitätstheorie), sowie der Subkultur im *Strafvollzug zu. Andere kriminologisch möglicherweise bedeutsame Subkulturen in Verbindung mit *organisierter Kriminalität, *politischer Kriminalität oder *Wirtschaftskriminalität sind bislang weder kriminologisch noch anderweitig wis-senschaftlich untersucht worden (*Randgruppen). Für die Subkulturen Jugendlicher, die sich im wesentlichen durch ihre (teilweise ausschließliche) Orientierung an der Peer group auszeichnen, sind die Überzeugungen und Handlungsweisen ihrer Kameraden wichtiger als elterliche Vorbilder und Erziehungsnormen. Dabei unterscheiden sich Subkulturen bürgerlicher Jugendlicher in vielen Punkten von denen, die durch Angehörige sozialer Unterschichten gebildet werden.
Jugendliche Subkulturen zeichnen sich aus durch Originalität (häufig ausgedrückt in Kleidung, Frisur), Narzißmus (übersteigertes und oft realitätsfremdes Selbstbild) und Ethnozentrismus (starke Identifikation mit der Ei-gengruppe, Ausbildung von Vorurteilen und eigenen Normen, Ablehnung von Fremdgruppen). Die Orientierung an den Normen der Subkulturgruppe kann bis zur Internalisierung dieser Normen gehen, d.h. diese Normen sind dann für das Handeln des Jugendlichen maßgeblich, eine damit möglicherweise verbundene Übertretung gesellschaftlicher Normen wird als notwendig mit der Gruppenzugehörigkeit verbunden akzeptiert. Empirische Untersuchungen zeigen, daß insbesondere Jugendliche mit konflikt- und krisenreich verlaufender *Adoleszenz in Altersgruppen drängen, die je nach Schichtzugehörigkeit auch politisch motiviert sein können (*Jugendbewegung). Mit zunehmender Funktions-differenzierung der Gesellschaft übernehmen subkulturelle Altersgruppen immer mehr den Übergangsprozeß zwischen Kindheit und Erwachsensein und damit auch die Vermittlung moralischer und normativer Werteinstellungen. Jugendliche machen in Subkulturen Erfahrungen, die woanders nicht zu machen sind (*Jugendforschung) und die von der *Schule und anderen pädagogischen Einrichtungen weder angemessen bearbeitet noch in ihrer Bedeutung richtig eingeschätzt werden (Emotionalität, Sexualität, Sinnhaftigkeit, Verstärkung).

Die Lebenswelt von Jugendlichen, als deren wesentlicher Teil die Subkulturen anzusehen sind, ist pädagogisch wie kriminologisch wenig erforscht, obwohl diesen Phänomenen in den letzten Jahren verstärkte Beachtung geschenkt wurde.

Literatur:
- Baacke, D.: Jugend und Subkultur. München 1972. Projektgruppe Jugendbüro und Hauptschülerarbeit: Die Lebenswelt von Hauptschülern. München 1975.

Entnommen mit freundlicher Genehmigung des Kriminalistik-Verlages Heidelberg aus der gedruckten Version des Kriminologie-Lexikons, Stand der Bearbeitung: 1991

Thomas Feltes
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